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16.03.2010 | Kommentare: 7

Digital Innovators Summit 2010

Frage nach Erlösmodellen für Verlage blieb ohne Antwort

Digital Innovators Summit 2010

Um nichts weniger als das Überleben der Verlage drehten sich viele der mehr als 50 Vorträge auf dem diesjährigen Digital Innovators Summit, einer Konferenz zum Thema digitale Medien, die die International Federation of the Periodical Press (FIPP) zusammen mit dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der amerikanischen Beratungsfirma emediaSF in Berlin ausrichtete. Als stimmungsvolle Kulisse empfing das Telekom Konferenzzentrum die etwa 400 Teilnehmer.

Zwei Trends bestimmten viele Konferenzbeiträge: Zum einen erwies sich, dass selbst die größten Medienkonzerne den dominierenden Playern im Internet wie Google, Amazon, Yahoo oder Facebook nur nachlaufen. Eigene technische Innovationen, wie sie die Internetkonzerne am laufenden Band produzieren, hatte kein Verlag vorzuweisen. Die Folge davon ist, dass die Verlage Substanz verlieren und ihren Content nebst Kundendaten zunehmend nur noch globalen Playern zuliefern, die damit ihre eigenen Geschäftsmodelle füttern. Zuweilen kaufen Verlage sogar Content bei Schreibfabriken, um ihn dann an die globalen Vermarkter weiterzugeben, was noch absurder erscheint.

Bemerkenswert ist, wie wenig die Onliner in den Verlagshäusern über die unaufhaltsam sinkende Printauflage sprechen. Ein einziger Vortrag (Hearst, USA) konnte belegen, dass Online-Aktivitäten die Abonnenten-Zahl erhöht hatten. Wie es scheint gibt es zwei Leben eines modernen Verlages: Im ersten Leben wird der sinkenden Printauflage mit drastischen Einsparungen begegnet, im zweiten Leben werden die Pageimpressions erhöht. Ein Sinn ist darin nicht zu erkennen.

Zweitens. Ganz wenige Beiträge (Bonnier, Schweden) beschäftigten sich damit, die Verlagsprodukte in ihrem Wesenkern zu verbessern und warfen die Frage auf, wie sich ein Printprodukt in die digitale Zeit übertragen lassen könnte. Zu diesem Thema fanden die interessantesten Gespräche am Rande statt. So war zu erfahren, dass Ringier in der Schweiz anfängt, die Print- und Online-Redaktionen wieder zusammenzulegen. Dass die magische Auflagensteigerung eines Titels wie "Landlust" im vergangenen Jahr mit einem klaren und bewussten Verzicht der Redaktion auf viele Möglichkeiten des Internets erstritten wurde. Dass Bonnier betont wie wichtig es sei, als Verlag der scheinbar unabsehbaren Informationsflut Grenzen zu setzen. Interessante Anregungen zum Nachdenken.

Dieter Reichert

Dieter Reichert

Dieter Reichert ist Mitbegründer der censhare AG und dort als CCO verantwortlich für den strategischen Aufbau und die weltweite Vermarktung des censhare Publikationssystems. Sein über 20-jähriges Know-how im Publikationsbereich hat er bei Verlagen sowie als Visionär und Gründer verschiedener medienspezifischer IT Unternehmen gesammelt.

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von Excampos 24.03.2010 21:16

Kreativität wird nicht gefördert

Als jemand, der seit vielen Jahren im Print-Journalismus arbeitet und die Entwicklung leider live miterleben muss, kann ich nur sagen: Das Internet ist nicht über Nacht da gewesen, es wurde zu lange nicht ernst genug genommen - und nun stehen große Verlage geradezu hilflos dem gegenüber, was da passiert. Nun wird hektisch herumexperimentiert. Doch es ist nur traurig, was dabei herauskommt.
Ein kleiner Verlag zeigt den Verlagsgiganten, wie man heute noch Auflage machen kann - z. B. mit "Landlust". Anstatt selbst mal wieder etwas Neues zu kreieren (die Kreativen dafür gibt es !!!!), wird jede Kreativität in der Knospe geknickt - und stattdessen wieder mal kopiert, was das Zeug hält. Ergebnis: lauter neue Landhefte wie "Landpartie",
Landleben, Country etc. Das ist doch zum Weinen! Ich habe oft den Eindruck, man kennt seine Leser eben nicht - und man will sie auch nicht kennen. Anstatt Marktforschung für teuerste Gelder zu bemühen, gingen früher noch echte Reporter unters Volk und haben mit echten Menschen (Lesern!!!) gesprochen. Das war authentisch und erfolgreich. Doch das ist heute zu teuer - was meiner Meinung nach ein Rechen- und Denkfehler ist. Qualität zahlt sich vielleicht nicht von heute auf morgen aus, aber dauerhaft schon. Doch leider verfügt der Nachwuchs, der in der Regel total schlecht bezahlt wird, meist über keine richtige Ausbildung - woher soll da die Qualität kommen? Junge lernen von Erfahrenen - dieses Prinzip ist immer noch gültig, aber in der Journaille vergessen worden. Nur noch billig muss es sein - das stinkt dem Leser. Zurecht! finde ich. Folge: Die Auflage sinkt. Wenn kein Umdenkprozess stattfindet, sehe ich schwarz.

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von nick 17.03.2010 18:31

Aber woher sollen die es auch wissen?

Woher sollen es die Verlage auch wissen? Wenn man 50 Jahre sein Geld damit verdient hat, die Nachrichten von Gestern zu veröffentlichen, Zeit hatten die Artikel zu recherchieren und zu schreiben oder zu korrigieren, und dass gepaart mit Anzeigen gewinnbringend zu vertreiben. Die Vorstände und Geschäftsführer haben über die Jahre versucht ihre Blätter und Vertriebswege zu optimieren. Wie sollen sie jetzt innerhalb von 12 oder 24 Monate Ihre gesamte Strategie inklusive Vertriebswege umstellen. Die Verlage können das glaube ich nicht von innen. Die brauchen dringend jemanden der Sie an die Hand nimmt.

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Antwort von Galina 18.03.2010 10:22

Wenn sie es denn wenigstens heute in den Printausgaben recherchieren/ korrigieren würden.. Schlechte Recherche, geradezu falsche Angaben und Rechtsschreib- bzw. Tippfehler sind doch heute schon Standard, z.B. im Spiegel. Enttäuschend.

Antwort von Veronika Lorenz 23.03.2010 20:26

Re: es wird nicht mehr recherchiert

zumindest bei vielen Verlagen nicht.
Der Anzeigenumsatz geht zurück, Geldnot macht sich breit. Die Reaktion liegt oft darin, dass auf billige Arbeitskräfte umgestiegen wird, die halt weder recherchieren noch schreiben können.
Damit wird´s dann noch schlimmer und der PrintUmsatz fällt weiter. Das ist eine Spirale.

von Iris Meyer 17.03.2010 12:41

Food for Thoughts

Amazing but the same story as always.
It is too hard for people to accept changes. And what is happing in the publishing industry is only the beginning. A lot of Publishers are still trying to use the same revenue model that they have for paper for the web. Without much success!

On http://thechaosscenario.net/blog/ one can find a short movie that shows what is happening. The old revenue models implode but new ones will come.
It is an exciting time to work in the publishing and communication industry.

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von Thomas 16.03.2010 19:44

Spannend....

.. zu sehen, wie die Verlage in Zukunft agieren wolllen. Scheinbar haben nur sehr wenige eine klare Strategie oder auch nur den Hauch einer Idee... Sehr schade. Vielen Dank für den Überlick

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von wendy 16.03.2010 18:05

Very interesting....

.... how sticking to your core competencies and not running with the herd can actually improve your circulation.

One example I know of actually treat their content as valuable commodities and as such charge subscribers to read it on-line as part of a combined print/web subscription package. Added to that is the fact that the magazine is a 'collectable', good-looking, stylish magazine that people actually want to display in their homes (rather than hidden under a couch). So successful is the brand that they even sell their back issues - issue 1, vol 1 currently selling for $100.

Maybe returning to quality versus quantity is the way to go? After all, you can have too much information.

Interesting topic.

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